Treuchtlinger Kurier, 15.01.2008
Jugend, Familie und Bildung im Fokus
Hein: „Faktor Kind“ darf kein Armutsrisiko sein – Bildungs- und Freizeitangebote – Finanzierung über Stiftung
TREUCHTLINGEN (hed) – Neben der Umwelt- und Stadtentwicklung liegen den Jungen Gemeindebürgern (JGB) in Treuchtlingen besonders die Thermenschwerpunkte Jugend, Familie und Bildung am Herzen. Vor dem Hintergrund schwindender Realeinkommen und einer Verarmungstendenz in der Bevölkerung sehen die JGB hierbei die Politik in der Pflicht.
Der Verschärfung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und schulischer Bildung müsse entgegengewirkt werden, um einerseits künftigen Unruhen sowie Radikalismus den Nährboden zu entziehen und andererseits Perspektiven als Antwort auf sinkende Geburtenzahlen zu schaffen. „Sicher ist dies kein wirklich kommunales, sondern ein eher übergreifendes wenn nicht globales Thema“, räumt JGB-Vorsitzender Andreas Hein unserer Zeitung gegenüber ein, „aber im Kleinen hat es seine Wurzeln“. Von daher gebe es durchaus Ansätze, die man auf kommunaler Ebene verwirklichen könne.
So fordern er wie auch seine Stellvertreterin Marion Schwenk mit Blick auf Treuchtlingen die Übernahme der Kosten für das letzte Kindergartenjahr durch die Stadt. Die bayerische Staatsregierung habe das Problem wohl erkannt, sei aber nicht willens, es zu entschärfen. Von daher sei in den Augen der JGB die Kommune aufgefordert, einzugreifen.
Im Weiteren gelte es, für eine gebundene Ganztagsschule in Treuchtlingen nebst Ortsteilen einen geeigneten zentralen Standort mit den entsprechenden Förder- und Betreuungsangeboten zu finden. Hein denkt da an Einrichtungen für die Nachmittags-, Hausaufgaben- oder Ferienbetreuung für Kinder jeden Alters.
Er begrüßt in diesem Zusammenhang die Schaffung einer Oberstufe an der Senefelder-Schule, wie sie sich jetzt abzeichnet. Ein wichtiges Anliegen ist den JGB außerdem der Aufbau einer funktionierenden und kostengünstigen Struktur für Erwachsenenbildung. Hier sei das Angebot in Treuchtlingen eher „suboptimal“.
Einen wichtigen Punkt sieht er in der Entschärfung des „Faktors Kind“ als Armutsrisiko. Dabei könnten schon vermeintlich nebensächliche Dinge die Bedingungen spürbar verbessern, angefangen mit der Einführung eines Windelsack-Systems (gedacht auch für inkontintente Erwachsene) in Treuchtlingen mit Ortsteilen sowie mit der Schaffung eines möglichst flächendeckenden Netzes mit Wickelmöglichkeiten. „Quasi als Aufwertung der ‚Freundlichen Toilette‘“, so Hein.
Als Erweiterung des Freizeitangebotes für Kinder könne er sich auch einen Indoor-Spielplatz mit familienfreundlichen Preisen vorstellen. Überdies ließe sich durch das Bauwagen-Konzept, das sich an einigen Stellen schon bewährt habe, die Jugendarbeit weiter ausbauen. Als „Geldquelle“ für viele Maßnahmen im Jugendbereich – bis hin zur Finanzierung von Klassenfahrten – halten die JGB die Einrichtung einer Stiftung für geeignet. „Ziel muss die möglichst kostenfreie Ausbildung der Kinder sein“, so das Kredo des JGB-Vorsitzenden.
Man könne ja durchaus einmal eine Art Vision aufstellen, meinte Hein und zeichnete auch gleich sein „Zukunftsbild“: „Treuchtlingen mit Ortsteilen ist aufgrund seiner familienfreundlichen Politik längst bevorzugter Wohnort, und neben Familien ziehen selbst Facharbeiter sowie Spezialisten hierher. Die rückläufige Bevölkerungsentwicklung ist gestoppt, und die Infrastruktur kann erhalten und weiter ausgebaut werden. Treuchtlingen hat eine Vorreiterrolle eingenommen und ist Vorbild für andere Kommunen.
Der Freistaat reagiert und verschiebt z.B. den Bereich Kindergarten vom Sozialministerium vollständig ins Kultusministerium. In Kindergärten herrscht Lehrmittelfreiheit, und die Kosten für den Kindergarten teilen sich Kommune und Land. Geschaffene Bildungsnetzwerke haben dazu geführt, dass es keine Sitzenbleiber mehr gibt, Nachhilfestunden werden durch die Ganztagsschule ersetzt. Treuchtlinger Schulabgänger bekommen aufgrund ihres höheren Bildungsniveaus schneller eine Ausbildungsstelle bzw. einen Studienplatz.“ Hein räumte ein, dass dies alles ein wenig fantastisch klinge. „Aber man muss ein Ziel haben, auf das es sich hinzuarbeiten lohnt“, hieß es abschließend.
Sieghard Hedwig