Treuchtlinger Kurier, 20.11.2007
„Rote Liste“ abgesegnet
Ergebnis einstimmig – Neue Gesichter – Listenverbindung mit JGB
TREUCHTLINGEN (hed) – Am vergangenen Wochenende nominierte die Treuchtlinger SPD in den „Wallmüller-Stuben“ ihre Stadtratskandidaten. Die Abstimmung darüber erfolgte einstimmig. Fazit: Einige Bekannte sind überhaupt nicht mehr dabei oder rangieren auf den hinteren Plätzen, aber dafür gibt es eine Reihe neuer Gesichter.
Nach der Begrüßung durch den SPD-Ortsvorsitzenden Stefan Fischer und im Beisein des SPD-Landratskandidaten Uwe Döbler ging es an die Abstimmung. Außerdem kam man einhellig zu dem Schluss, mit den Jungen Gemeindebürgern (JGB) erneut eine Listenverbindung einzugehen.
Zunächst aber forderte Döbler in seinem Grußwort einen neue Schwerpunktsetzung der Landkreispolitik in Sachen Familienfreundlichkeit sowie die Forcierung der Bereiche Kultur, Freizeit, Tourismus und Bildung. Der Landkreis müsse außerdem seine Kernkompetenzen besser herausarbeiten und insgesamt geschlossener auftreten, hieß es.
SPD-Bürgermeisterkandidat Werner Baum wiederholte nochmals sein politisches Rahmenprogramm, das er bekanntlich in ein Zehn-Punkte-Programm gefasst hat (wir berichteten). Daher hier nur noch einmal die wichtigsten Positionen. Unter der Überschrift „Kompetenzen verknüpfen – Zukunft gestalten – Zeit für den Wechsel“ legt er seine Schwerpunkte auf eine verbesserte Integration von Ausländern, Senioren und Behinderten. Das Rathaus will er in ein „offenes Bürgerbüro“ verwandeln sowie die Weiterbildung der dortigen Mitarbeiter forcieren. Jeder Einrichtung in der Kommune will er – parteiübergreifend – einen Stadtrat als Paten zur Seite stellen. Außerdem wendet er sich klar gegen das Kirchturmdenken im Landkreis.
Weitere Schwerpunkte sieht der Bürgermeisterkandidat in den Bereichen Jugend, Bildung (Oberstufe an der Senefelder-Schule), Familienförderung und wirtschaftliche Entwicklung. Auch müssten in seinen Augen die Freizeitmöglichkeiten (Sportanlagen, Kletterbaum usw.) weiter ausgebaut und die Ortsteile besser eingebunden werden. Wörtlich: „Wir müssen das Aussterben der Stadt und der Ortsteile stoppen.“ Handlungsbedarf sieht der „Eisenbahner“ im Wesentlichen auch in der Stadtentwicklung, der Verkehrsplanung und bei den Kinderhortplätzen. Treuchtlingen müsse dem 49-Jährigen zufolge noch weit mehr eine Vorreiterfunktion im Umweltschutz einnehmen, die Nutzung erneuerbare Energien vorantreiben und Einrichtungen wie das „etz“ weiterentwickeln. Gleichzeitig will sich Baum für den Erhalt der Stadtwerke stark machen. Weitere Anliegen sind ihm überdies die Auslagerung der Firma Altmühltaler Mineralwasser, dasVorantreiben des Hotelprojektes und der Ausbau der Altmühltherme.
In Sachen Umgehung will er eine „echte Umgehungsstraße“. In diesem Zusammenhang konnte sich Baum einen kleinen Seitenhieb auf den amtierenden Bürgermeister Wolfgang Herrmann nicht verkneifen. Dieser habe unlängst im Rahmen einer Bürgerversammlung davon gesprochen, dass man nun mit der Nordspange „eine vernünftige Lösung“ gefunden habe. Baum meinte dazu lakonisch, dass man eine derartige Lösung schon vor vielen Jahren hätte haben können, hätte es nicht diese vehementen Widerstände in der CSU gegeben.
Außerdem standen die persönlichen Vorstellungen der einzelnen Listenkandidaten im Mittelpunkt des Abends.
Die Liste in der Reihenfolge: 1. Werner Baum jun. (Treuchtlingen, Stadtrat, Kreisrat, Abteilungsleiter Bahn, 49 Jahre), 2. Susanna Hartl (Wettelsheim, Stadträtin, Kreisrätin, Dipl. Verwaltungswirtin, 54), 3. Stefan Fischer (Treuchtlingen, SPD-Ortsvereinsvorsitzender, Bürokaufmann, 44), 4. Manfred Albert (Treuchtlingen, Stadtrat, Rechtsanwalt, 57), 5. Jürgen Bachmeier-Auer (Gundelsheim, Steinmetz, 46), 6. Kerstin Zischler (Treuchtlingen, Hauptschullehrerin, 32), 7. Utz Löffler (Treuchtlingen, Stadtrat, Regierungsamtmann, 48), 8. Eduard Enderle (Schlittenhart/Auernheim, Versicherungsfachmann, 52), 9. Alfred Keil (Treuchtlingen, Stadtrat, Kundendienst-Techniker, 65), 10. Claudia Fuchs (Dietfurt, kaufmännische Angestellte, 42), 11. Gustav Kapp (Wettelsheim, Bahnbetriebsinspektor, 50), 12. Dr. Joachim Grzega (Treuchtlingen, Stadtrat, Universitätsdozent, 36), 13. Wilfried Seuberth (Treuchtlingen, Kreisrat, Stadtrat, Studiendirektor, 58), 14. Peter Salisch (Schambach, Dipl.-Ing. Fahrzeugbau, 59), 15. Dagmar Bogedain (Treuchtlingen, Bankkauffrau, 43), 16. Peter Sorg (Treuchtlingen, Kriminalbeamter, 52), 17. Hermann Auernhammer (Treuchtlingen, Architekt, 46), 18. Robert Friedrich (Dietfurt, Elektroinstallateur, 54), 19. Susanne Enderle (Treuchtlingen, Versicherungskauffrau, 27), 20. Hans Kress (Treuchtlingen, Gastwirt, 52), 21. Gerhard Schimm (Wettelsheim, leitender Bahnangestellter, 52), 22. Angelika Steinmeyer (Treuchtlingen, Altenpflege-Helferin, 45), 23. Josef Ferschl (Schambach, Stadtrat, Volksschulleiter, 53), 24. Konrad Böswald (Treuchtlingen, Lokführer i.R., 59). Ersatz (Nachrücker): Werner König (Datenverarbeitungstechniker, 46) und Juliane Konrad (Einzelhandelskauffrau, 57).
Stadtrat Adolf Erdinger ist altersbedingt nicht mehr auf der Liste vertreten, Stadtrat Josef Ferschl auf die hinteren Plätze gerückt und somit wohl auch nicht mehr dabei. Und ob Wilfried Seuberth und Dr. Joachim Grzega mit ihren Listenplätzen hineinkommen, ist auch eher fraglich.
Dagegen steht Stefan Fischer auf dem 3. Platz und dürfte somit künftig mit in den Reihen der Stadträte sitzen. Freilich sehen wir auch Werner Baum und die Fraktionsvorsitzende Susanna Hartl sicher wieder im Rathaussaal, ebenso wie Manfred Albert.
Neue Gesichter auf den aussichtsreichen Rängen sind Jürgen Bachmeier-Auer, Kerstin Zischler und Eduard Enderle. Mit Utz Löffler und Alfred Keil gibt es „alte Bekannte“, die es ebenfalls nochmals schaffen können. Und mit Claudia Fuchs und Gustav Kapp stehen zwei weitere „Neue“ in den Startlöchern.
Sieghard Hedwig