
Bahnhofstunnel
Treuchtlinger Kurier, 23.09.2007
Von der Umgehung bis zum Biber
Unterstützen SPD-Bürgermeisterkandidat Werner Baum – Eigene, aber halbe Liste – Reihe von Zielen
TREUCHTLINGEN (hed) – Die Kommunalwahlen am 2. März nächsten Jahres werfen bereits ihre Schatten voraus. Die örtlichen Parteien sammeln ihre Mitstreiter um sich, sind mit der Erstellung der Kandidatenlisten beschäftigt und definieren ihre politische Positionen. So auch die Jungen Gemeindebürger (JGB) um ihren Vorsitzenden Andreas Hein, die sukzessive ihre Ziele formulieren.
Fest steht, dass die JGB mit einer eigenen Liste antreten, allerdings wohl nur mit einer halben. Einen eigenen Bürgermeisterkandidaten will man nicht ins Rennen schicken. „Wir unterstützen den SPD-Kandidaten Werner Baum“, bestätigt Hein unserer Zeitung gegenüber. Allerdings wolle man nicht einfach nur als eine Art SPD-Unterstützungsverein auftreten. „Wir haben durchaus Ziele, die mit denen der SPD nicht unbedingt immer deckungsgleich sind“, betont der JGB-Chef. Schließlich sei es ein Vorzug der Jugend, frische Ideen hervorbringen zu dürfen, „selbst auf die Gefahr hin, dass andere sie später abkupfern und als ihre eigenen verkaufen.“
Neben vielen weiteren Bereichen, zu denen sie sich noch zu einem anderen Zeitpunkt äußern wollen, stehen für die JGB auch die Themenkreise Verkehr sowie Umwelt und Stadtentwicklung im Blickpunkt.
In Sachen Verkehr ist ihnen die langfristige Verbannung des Schwerlastverkehrs aus dem Schambachtal ein Anliegen. Man erhofft sich eine Abstufung der Staatsstraße 2216 zur Kreisstraße. Mit Blick auf Dietfurt favorisieren die JGB statt einer Westumgehung der B 2 eine Einhausung der vorhandenen Trasse. Was die sogenannte Nordspange als angedachte Umfahrung von Treuchtlingen betrifft, so sprechen sie sich für eine Trasse ohne neuen Schwerlastverkehr aus. Vielmehr gehe es darum, einen leicht veränderten, ortsnahen Straßenverlauf zu wählen und die Gstadter Über- und Unterführungen bestandsorientiert neubzw.
umzubauen.
Ein wichtiges Anliegen ist den JGB eine fußgängerfreundliche Gestaltung der Unterführung am Bahnhof. Dazu gehören in ihren Augen die Verbesserung der Beleuchtung und die Verbreiterung der Bürgersteige, verbunden mit einer Einbahn-Regelung in Richtung Wettelsheimer Straße. „Damit würden die engen Auffahrtrampen endlich entlastet und der Einmündungsbereich zur Wettelsheimer Straße verkehrstechnisch sicherer“, so Hein und seine Stellvertreterin Marion Schwenk einhellig.
Hinsichtlich des Naherholungsbereiches Kurpark/Nagelberg wünscht man sich die Sperrung des Ölbergweges zwischen Sandgrube und der Ortsverbindungsstraße nach Graben bzw. Dettenheim für den Autoverkehr. In der Straße „Am Brühl“ seien zur effektiven Umsetzung der Tempo-30-Zone mehrere straßenbauliche Maßnahmen nötig, wie z.B. der Versatz der Fahrbahn, Bäume, zusätzliche Parkplätze an der Bezirkssportanlage usw. In puncto Bahnhofstraße sprechen sich die JGB für eine Abstufung zur verkehrsberuhigten Zone aus – ähnlich wie auf dem Marktplatz in Gunzenhausen. Dann könnten durch Versätze der Fahrbahn und durch einen anderen Straßenbelag sowie die Angleichung der Höhenniveaus z.B. auch weitere Bereiche für Außenbestuhlungen geschaffen werden.
Der zweite große Themenkomplex, den die JGB für sich ausformuliert haben, bezieht sich auf die Umwelt und die Stadtentwicklung. „Beides gehört schließlich zusammen“, so Hein. So sollte man anstelle der Ausweisung neuer Baugebiete eher die Kernstadt nachverdichten. „Wir brauchen keine ausufernde Infrastruktur, die am Ende keiner mehr bezahlen und unterhalten kann“, hieß es. In diese Richtung geht auch das Ziel, statt neuer Baugebiete die Dorfmitten in den Ortsteilen verstärkt wiederzubeleben. „Wir müssen die dörfliche Struktur bewahren“, so das Kredo der JGB. Ein weiteres Anliegen ist eine autarke Energieversorgung der Gesamtgemeinde durch die Errichtung von Biogas-Anlagen sowie Blockheizkraftwerken mit Kraft-Wärmekopplung.
Die JGB reden dabei einer dezentralen Versorgungsstruktur – zusammen mit den Ortsteilen – das Wort. Da die Stadt ohnehin eine Vorreiterrolle in Sachen Umwelttechnologie anstrebe, sei auch ein entsprechendes Engagement bei energetischen Gebäudesanierungen angesagt. „Die anstehende Sanierung der Grundschule Treuchtlingen unter Verwendung regenerativer Energieformen könnte hier eine Art Pilotfunktion übernehmen“, hofft Hein.
Ein Punkt auf der Wunschliste ist auch der Verzicht auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. „Wir sollten den jetzigen Stand beibehalten“, sagt Hein. Und nicht zuletzt haben sich die JGB auch mit der Biber-Problematik beschäftigt. „Das Biberrevier bei Dietfurt muss erhalten bleiben, allerdings sozial verträglich“, hieß es abschließend.
Sieghard Hedwig